November, 2008
Einbruch, Umbruch oder Aufbruch?
„Hast Du schon gesehen? Normalbenzin bloß noch 1,20 der Liter!“ – „Ja, wegen der Rezession.“ – „Das ist Rezession?! Dann stehen uns goldene Zeiten bevor.“
Die Gefühle angesichts der Rezession sind gemischt. Bunt gemischt ist auch die vielfach veröffentlichte Meinung angesichts einer Finanzkrise unbekannten Ausmaßes, die eine so gewaltige wie nebulöse Wirtschaftskrise im Schlepptau hat. Aber wenn dabei das Benzin billiger wird, bin ich von der Partie. Oder nicht?
Interessant erscheinen mir drei Fragen: Die Rolle der so genannten Eliten, die Frage des Vertrauens und die nach den Befangenheiten, in denen sich Menschen im Allgemeinen befinden – einschließlich der eigenen Person.
Was sagen unsere Eliten angesichts der dramatischen Pleitewelle? „Der Einzelne muss nachträglich einsehen, dass die Vernünftigkeit seiner wichtigsten Lebensentscheidungen auf einem rein spekulativen System basierte“, ist zu lesen, des Weiteren, dass „das große Zweifeln an der Gesellschaft und an der Tragfähigkeit ihrer bisherigen Vernunft begonnen haben.“ Das könnte man fast im „Neuen Deutschland“ vermuten, aber es stand in der FAZ, dem Flaggschiff des staatstragenden Kapitalismus. Der es schrieb, war Frank Schirrmacher, einer ihrer Herausgeber. Für ihn und seine meinungsbildenden Mitstreiter ist eine Welt ins Wanken geraten, an die sie fest glaubten. Gestern noch haben FAZ oder die „Bertelsmänner“ landesweit Plakate an jede Straßenecke geklebt. „Du bist Deutschland“, war darauf zu lesen, um jeden an seine eigene und stolze Verantwortung in der Gesellschaft zu mahnen. Geht es dir aber schlecht, bist du selbst schuld, lautete der zweite, darin versteckte Teil der Botschaft. In einer auf Freiheit und Marktwirtschaft ruhenden Gesellschaft ist jeder seines Glückes Schmied.… Read the rest